Kein Tag, den nicht die Nacht gebar

Philosophische Wanderbewegungen

 

Gebunden, 335 Seiten

Haffmans, Zürich 2000

 

Dieses Buch zählt noch nicht, denn es kam zu früh. Es stellt einen unreifen, übereilten und deshalb auch sprachlich unausgegore- nen, fehlerhaften und ungeschickten Ver- such dar, etwas auszudrücken, das seinen Weg besser über eine andere Form gefunden hätte. Vielleicht über die kurzer Erzählungen, vielleicht über die des Essays. Der Roman ist jedenfalls ein schlechter Ort für die Lagerung von Gedanken, die, weil sie zu unsortiert und aufdringlich sich Platz verschaffen wollen, alle ein wenig verlegen, mitunter belehrend da- herkommen und folglich die Handlung eher stören als vorantreiben. Wenn der Aufbau einer Geschichte vor allem zur Vermittlung be- stimmter geistiger Inhalte dient, kann die Verlebendigung der Figu- ren nur schwer gelingen. Sie gedeihen nicht zu plastischen Charak-teren, sondern bleiben bisweilen bloße Mundstücke des Erzählers. Denn wo jede Person eine kulturelle Eigenschaft oder Erfahrung darstellen und jede Begebenheit nicht als Begebenheit, sondern als Gleichnis gelesen werden soll, entstehen zwangsläufig lauter Miss- verständnisse, sobald man die Geschichte wörtlich nimmt. So muss- te das viel zu hoch gesteckte Ziel des Buches unerreicht und seine eigentliche Aussage, seine übertriebene Symbollastigkeit (durch die alles für etwas anderes steht) sowie die sich daraus ergebende, bis in die pubertäre Sentimentalität der Sprache hineinreichende Ironie gänzlich verborgen bleiben. Wo es nicht gelingt, die subtile Meta- ebene hinter einer betont konventionell bis banal gehaltenen Er- zähloberfläche hindurchscheinen zu lassen und man sich in einem solchen Vorhaben hoffnungslos verirrt, wirkt das Gewagte bloß peinlich. Kurz: das an sich reizvolle Vorhaben, den Konflikt zwi- schen Kunst und Leben unter den subtilen Zwängen der Medienge-sellschaft zu schildern, ist hier nur unzureichend geglückt. - Ein rasch hingeworfenes Experiment, das scheiterte.

   Dennoch gilt Friedrich Hebbels Satz: „Wirf nicht immer weg, was du verwirfst. Bist du was, so hängt all dein Tüchtiges oft mit deinem Fehler zusammen, wie der Baum mit seinem Erdreich. Sei dieses so schlecht, wie es wolle; es muß geduldet werden, des Baumes wegen.“