Frank Lisson (Dr. phil.)

 

*1970

 

Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie in Würzburg und München. Promotion im Fach Geschichte.

 

Wie stellt man es an, »überzeitlich« zu denken? Wie gelingt es, sich im Dickicht vermittelter Informationen und inszenierter Wirklich-keiten einen klaren Blick zu bewahren? Wie hält man Abstand von den jeweiligen geistigen Moden, um ihrer Verführungskraft nicht zu erliegen?

 

Weil das Beobachten zur Bewegung zwingt, kann der Standpunkt des Philosophen nie ein unverrückbarer, sondern immer nur ein er- höhter sein. Erst das Beobachtete weist dem Beobachter eine Rich- tung oder einen Standpunkt zu, von wo aus er auf die Dinge blickt.

 

Ein freier, denkender und beobachtender Mensch aber bleibt stets in Bewegung und kann deshalb auch in keinem Milieu beheimatet sein - selbst wenn er dies wollte. Wer das Wesen seiner Zeit und damit die ihn umgebende Wirklichkeit erfassen will, darf keine Rücksicht nehmen auf die jeweils gültigen moralischen oder politischen Stan- dards, sondern wird allen angebotenen Tagesparolen und allen an- gesagten Meinungen skeptisch gegenüberstehen. Deshalb muss er beharrlich nach den Ursachen aller Dinge fragen: wie ist was wann und warum geworden? Denken heißt, nach den Prinzipien dessen zu suchen, was Denken möglich macht.

 

Denn jede Tendenz lockt den Denkenden in ihre Richtung, von wo aus er sich dann zumeist nur noch eine bestimmte Sicht auf die Dinge erlaubt. Vor über fünfzig Jahren entwarf Eugéne Ionesco in »Die Nashörner« (1959) eine Vision der heimlichen Lust des Men- schen auf Normierung und Anpassung unter dem Einfluss von Mas- senmedien und Kulturindustrie: am Ende sehnen sich auch die bei- den letzten übriggebliebenen Menschen nach der Mutation zum Nashorn, um so zu werden wie alle anderen, weil von der Herde stets eine nahezu unwiderstehliche Wirkung ausgeht.

 

 

Chronologie/Werke:

 

2016: Weltverlorenheit. Über das Wahre im Wirklichen

 

2015: Homo Creator. Das Wesen der Technik

 

2014: Humor. Warum wir lachen

 

2013: Hellas als unerreichbare Gegenmoderne

 

2013: Homo Viator. Die Macht der Tendenzen

 

2012: Die Verachtung des Eigenen. Ursachen und Verlauf des

          kulturellen Selbsthasses in Europa

 

2008: Homo Absolutus. Nach den Kulturen

 

2008: Widerstand. Lage - Traum - Tat

 

2005: Kursverlust (Hörspiel)

 

2005: Oswald Spengler

 

2004: Friedrich Nietzsche

 

2002: Die schönen Gedanken, die töten. Zur Faszination von

          Gewalt und Untergang (Feature)

 

2000: Die Gräfin und die Enormen von Wahnmoching. Ein

          Münchener Stadtteil am Vorabend des Ersten

          Weltkriegs (Feature)

 

2000: Kein Tag, den nicht die Nacht gebar

 

2000: Ackerland in Bauernhand. Ausbruch und Scheitern des

          Bauernkrieges von 1525 (Feature)

 

1999: Betrachtungen eines Untergangs. 1918 - Thomas

          Mann und Oswald Spengler (Feature)